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Die Weihnachtsgans

Es war Samstagabend, gerade hatten die Glocken zur Abendmesse geläutet, als Lillis Vater die Wohnungstür aufstieß.
„Ich bin zu Hause!“, rief er.
„Wo bleibst Du denn?“, rief ihre Mutter aus der Küche, wo sie schon ein Teil des Essens für die nächsten Tage vorbereitete.
Morgen war Heilig Abend und Lillis Mutter war schon mit den Vorbereitungen für die Essensschlacht der Feiertage beschäftigt.

Dieses Jahr sollte es wieder die obligatorische Weihnachtsgans geben und die sollte nun Lillis Vater, der übrigens Helmut hieß, frisch geschlachtet abholen. So war zumindest der Plan.
„Ähmmm…“, machte Helmut und stellte die Kiste, die er im Arm hatte erst mal in den Flur.
„Bringst du die Gans bitte in den Keller, ich habe dort schon alles vorbereitet.“, rief Heidrun, Lillis Mutter aus der Küche.
„Ähmmm…“, machte Helmut erneut und blieb erst mal im Flur stehen.
Lilli kam aus dem Wohnzimmer, wo sie den Weihnachtsbaum bereits schmücken durfte.
„Hallo Papa.“, begrüßte sie ihren Vater. „Hallo, Zwerg.“, kam auch gleich die Antwort. „Helmut, jetzt mach doch mal. Wir haben noch so viel zu tun.“, Heidrun kam aus der Küche in den Flur.
„Ja….Also….wie soll ich sagen…“, fing Lillis Vater an, als ein lautes Schnattern aus dem großen Karton kam.
„Ähmmm….“, sagte Helmut noch einmal und Heidrun bekam große Augen. „Du willst mir doch nicht sagen, dass…“, fing sie an. Helmut unterbrach sie und meinte nickend: „Ja.“

Lilli sah auf den, sich nun nicht nur schnatternden, sondern auch bewegenden Karton.
„Papa?“, fragte sie ehrfürchtig. In diesem Moment kam Schaschlik, der Familienhund um die Ecke gesaust und stürzte sich laut bellend auf den Karton.
„Schaschlik!“, ertönte es aus drei Kehlen, was diesen jedoch nicht interessierte. Waren seine Leutchen doch wesentlich uninteressanter als diese laute, sich bewegende und interessant riechende Box.
In null Komma Nichts, hatte Schaschlik den Karton platt gemacht und den Inhalt freigelegt.

Während Heidrun ein Schrei entwich, versuchte Helmut die Gans einzufangen, die sich ihrer Freiheit plötzlich bewusst wurde und sich laut schnatternd auf den wild bellenden Schaschlik stürzte. Womit dieser natürlich nicht gerechnet hatte, welches fremde Wesen wäre auch so dreist, sich in seinem Revier so aufzuführen?
„Cool.“, staunte Lilli, als Schaschlik gekonnt das Weite suchte, gefolgt von einer Gans und ihrem immer noch dick eingepackten Vater.
Mit einem Lachen folgte Lilli ihrem Vater, während ihre Mutter fassungslos im Flur verharrte. Allerdings nur so lange, bis sie aus dem Wohnzimmer ein lautes Geräusch hörte, was sich sehr nach einem stürzenden Baum anhörte, sowie ein gedämpftes Fluchen, gemischt mit Kinderlachen, Bellen und Geschnatter.
Seufzend machte nun auch sie sich auf ins Wohnzimmer, nicht ahnend, was sie dort gleich erwarten würde.

Mit offenem Mund starrte sie auf die Szenerie, welche sich vor ihr offenbarte.
Während Lilli lachend hinter der Gans her rannte, welche den bellenden und flüchtenden Schaschlik verfolgte, verschwand ihr Gemahl unter dem halbgeschmückten Weihnachtsbaum. Seine Position ließ sich nur aus den seitlich hervorragenden Körperteilen entnehmen. Dass es ihm gut ging, zeigten zudem die gedämpften Flüche, die zwischen den Zweigen hervorklangen.
„Heidrun!“, erklang es ächzend, „willst du mir nicht endlich mal helfen?“
„Eigentlich würde ich viel lieber wissen, was hier eigentlich los ist?“, meinte Heidrun und schnappte sich erst einmal Lilli, die immer noch hinter Schaschlik und der Gans her jagte, bevor sie sich des umliegenden Baumes annahm und ihn aufrichtete, um ihren Gatten zu befreien.

Helmut richtete sich ächzend auf, während das Lametta in seinen Haaren im Licht funkelte und so seine Würde als Hausherr merklich herabsetzte.
Seine Frau, musste trotz des Chaos anfangen zu lachen, als sie ihren Mann, der doch merklich angeschlagen war, beobachtete.
„Jetzt fange bitte endlich die Gans ein und erkläre mir was hier los ist. Du solltest keine lebende Gans holen.“, meinte sie.
Da Schaschlik sich inzwischen unter dem Sessel verkrochen hatte, um diesem in seinen Augen kampfwütigen Biest, zu entkommen, hatten sich auch die beiden Tiere etwas beruhigt.
Helmut, der sich des Lamettas und der zurückgebliebenen Tannennadeln entledigt hatte, schnappte sich die Gans und klemmte sie sich gekonnt unter den Arm, während Lilli das Tier interessiert betrachtete.
„Naja, das war so…“, fing er an zu erklären. „Ich bin gerade bei dem Züchter angekommen, als er dabei war die Gänse zu schlachten. Nachdem ich ihn begrüßt und mein Anliegen vorgetragen hatte, hielt er die Gans am Hals hoch und meinte: Ich bin gerade dabei sie fertig zu machen. Dabei hat sie mich mit ihren dunklen Kulleraugen angesehen und ich konnte es nicht über das Herz bringen. Und als ich sagte, dass ich kein Tier nehmen könnte, dass mich so angesehen habe, meinte er, dann kauft sie jemand anderes.“
Helmut sah seine Frau an. „Ich konnte sie doch nicht einfach so sterben lassen. Also habe ich sie einfach mitgenommen.“
Kopfschüttelnd sah Heidrun ihren Mann an. „Und was jetzt?“ „Jetzt haben wir auch eine Hausgans.“, jubelte Lilli. „Wir behalten sie doch, oder? Bitte…bitte…bitte.“, bettelte Lilli.
„Aber was sollen wir jetzt essen?“, fragte Heidrun ihren Mann. „Ach Schatz, vegetarisch ist doch auch lecker.“, meinte Helmut. „Und gesünder.“, bestätigte Lilli.
Seufzend schaute Heidrun auf den plötzlichen weihnachtlichen Familienzuwachs. „Okay, meinetwegen, aber sie bleibt nicht im Haus.“, stimmte sie zu.
Schnell zog Lilli ihren Vater in den Garten, wo die Gans in der alten leerstehenden Holzhütte ihr neues Zuhause fand, bis sie einen ordentlichen Stall bekam.
So wurde aus dem geplanten Weihnachtsbraten ein neues Familienmitglied.
26.5.17 16:15
 
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